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Biographie von Lorenz Pauli

Eine Hand voll Buchstaben, ein Kopf voll Geschichten.

Wer ich bin: Schriftsteller, Erzähler, Fantasie-Gärtner

Lorenz Pauli. Foto: Emil Hofmann

Irgendwann 1967 beschloss ich, zur Welt zu kommen. Ziemlich viel später quälte ich mich durch eine Banklehre, und besuchte danach das Kindergartenseminar Marzili in Bern. Ganze 25 Jahre arbeitete ich dann als Kindergärtner in Zollikofen. Während zwei Jahren machte ich zudem eine Weiterbildung im Bereich der Erwachsenenbildung.

Inzwischen sind die Tage zu kurz geworden, oder die Aufgaben zu viele:

Seit 2014 bin ich nur noch freier Schriftsteller und Erzähler.

Meine Geschichten, Hörspiele und Liedertexte schreibe ich für Kinder zwischen 4 und 11 Jahren und ihre Erwachsenen. Stehe ich auf der Bühne, lachen nicht nur die Kinder, sondern auch die Grossen. Das macht mich glücklich.

Ich bin auch auf Wikipedia zu finden.

Private Koordinaten

2003 wurde unser Sohn Emil geboren, 2004 haben Claudia Hofmann und ich geheiratet und 2005 kam unsere Tochter Luzia zur Welt. Wir wohnen in der Länggasse in Bern.

 

Preise

2003  Ehrenurkunde des Österreichischen Staatspreises für Kinderlyrik

2005  Platinene Schallplatte für Luege, was der Mond so macht

2011  Ehrenliste des IBBY  für Oma-Emma-Mama 

2011  Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Oma-Emma-Mama.

2012  Leipziger Lesekompass für Pippilothek??? 

2012  Spezialpreis der Literaturkomission der Stadt Bern 

2015  Nomination Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis mit Pass auf mich auf!

2016  Prix Trouvaille der Literaturkommission des Kantons Bern für Pass auf mich auf! (Obwohl der Preis an mich geht ist klar: Ich teile Ehre und Preisgeld mit Miriam Zedelius. Denn das Buch wäre ohne sie nicht so schräg-schrill-schabernackig.)

2017  Erbprozent Kultur ermöglicht mir den Austausch mit einer Mentorin/einem Mentor meiner Wahl für meine Weiterentwicklung. 

Und wenn Pauli-Bücher nicht ordentlich im Regal stehen, sondern auf dem Sofa oder neben dem Bett liegen, dann ist das die schönste Auszeichnung überhaupt.

Aktuelles

Woran ich zur Zeit grad herumbuchstabiere, erfährt man auf der Startseite, aber da warst du ja schon ;-)

Ich hätte eine Antwort. Bloss die passende Frage fehlt.

Ob Maturaarbeit, Diplomarbeit, Semesterarbeit oder einfach aus Interesse: Ich bekomme oft Fragebogen, mit der Bitte, mich zu erklären. Dieses Interesse freut mich, braucht aber auch viel Zeit. Darum: Einen ganzen Katalog von Antworten auf mehrfach gestellte Fragen kann man gleich unten lesen. Und wenn danach noch Fragen offen sind, so bin ich auch offen...  

INTERVIEWFRAGEN

 

1. Wie sind Sie dazu gekommen, Kinderbuchautor zu werden?

Als Kindergärtner erfand ich viele Geschichten selber, die mir thematisch und inhaltlich besser passten, als das, was ich auf die Schnelle in der Buchhandlung fand. Eine Hand voll solcher Geschichten schickte ich mal bei einem Wettbewerb ein und es klappte: Wienachte mit der Frou Schnousi entstand.

 

2. War Ihre Faszination für die Sprache schon immer vorhanden?

Ja. Meine Mutter ist eine gute Sprachspielerin. Sie hat mir diese Gabe und die Freude am 'Spielzeug Sprache' weitergegeben. Schon als Kind reimte ich gern und fabulierte.

 

3. Weshalb arbeiten Sie für und mit Kindern?

Das Alter der 4 – 8-jährigen Kinder ist enorm spannend. In dieser Zeit passiert unglaublich viel an Entwicklung. Und der Übergang vom magischen Denken in ein logisches Denken findet statt. Bei solchen Prozessen dabei sein zu dürfen, fördern, zuhören und mitdenken zu können ist (auch noch nach Jahren) ein Geschenk.

 

4. Kindheit heute respektive aufwachsen in der heutigen Zeit – was denken Sie, ist speziell daran?

Noch nie war Betreuung so professionell. Noch nie war Gesundheit so selbstverständlich. Aber auch: Autoritäten sind nicht mehr klar. Strukturen lösen sich auf. Alles ist möglich. Mit der Flut an Möglichkeiten sind auch die Erwachsenen überfordert. Die Kinder wachsen in etwas hinein, das unglaublich viel an (Schein)welten offenbart und je länger je weniger echte Erfahrungen bietet. Das birgt Gefahren.

 

5. Welche Geschichteninhalte sind besonders für Kinder geeignet und warum?

Geschichten, die zum Mittun, zum Fabulieren und zum Denken anregen. Geschichten aber auch die ganz einfach gute Unterhaltung bieten.

 

6. Welche Themen erachten Sie heutzutage als sinnvoll?

Alles, was Kinder bewegt. Es gibt nur noch wenige Schonräume. Die Kinder sind früh Teilhabende am Weltgeschehen und wissen sehr, sehr viel. Alles, was da hilft, einzuordnen, macht Sinn. Aber es soll nicht nur ums Problemelösen gehen: Es geht vor allem um Lust.

 

7. Welche Art von Geschichten empfinden Sie als ‚kindgemäss’ (für Kinder im Alter von 4 – 8 Jahren)?

Kindgemäss ist, was nicht zu stark überfordert. Etwas Überforderung ist ok. Aber Kinder haben im genannten Alter ein Recht auf eine heile Welt. d.h. Kinder in diesem Alter dürfen nicht vor unlösbare Probleme gestellt und damit allein gelassen werden. Sie sollen aber auch ernstgenommen werden: Wer nur nette Regenbogengeschichten oder Reisen eines Wassertropfens bringt, bringt gar nix.

 

8. Wie beurteilen Sie die Bedeutsamkeit von Bilderbüchern in dieser von Medien geprägten Gesellschaft?

Wenn ich nicht daran glauben würde, dass sie wichtig sind, wär ich ein komischer Kauz... Ein Buch hat immer etwas Unmittelbares, Physisches, Handfestes. Es riecht, es kann von hinten nach vorne geblättert werden, es kann wieder und wieder angeschaut werden. Es ist viel stärker ein Heimatort für Gefühle als eine DVD.

 

9. Erachten Sie Bilderbücher noch immer als genug interessant und anregend für Kinder? Wenn ja, weshalb?

Ja. Das Tempo kann selbst bestimmt werden und es passiert ja nicht nur im Buch etwas: Bücher werden oft gemeinsam angeschaut. Wer die Köpfe zusammensteckt um ein Buch anzuschauen, ist innig verbunden.

 

10. Inwiefern erachten Sie Geschichten für Kinder als bedeutend?

Geschichten lassen Erfahrungen machen, etwas ausprobieren, etwas erkunden, etwas erweitern... und das mit der Figur, die durch eine Geschichte führt.

 

11. Welchen Wert haben Geschichten für Kinder?

In erster Linie müssen sie gut unterhalten. Erst in zweiter Linie dürfen sie auch etwas transportieren an Wertvorstellungen oder Ideen. Fehlt die tragfähige, unterhaltende Basis einer Geschichte, so ist das Betrug am Kind.

 

12. Achten Sie beim Verfassen Ihrer Geschichten darauf, dass diese sowohl Mädchen und Knaben gleichermassen ansprechen? Wenn ja. wie bewerkstelligen Sie dies?

Ich zähle am Ende Rollen/Figuren aus oder wechsle am Ende Jungen und Mädchen aus um mir bewusst zu werden, wo ich Stereotypen auf den Leim gegangen bin. Im Bühnenprogramm versuche ich, sowohl die zarten Verträumten wie auch die energiegeladenen Draufgänger auf die Rechnung kommen zu lassen. Oft in den Geschlechterzuordnungen 'verkehrt' herum.

 

13. Wie entstehen Ihre Geschichten?

Meist durch Arbeit. Ich mach mir Mind-Maps, resp. Clusterings oder gehe von einer Situation aus, die mich dann irgendwohin weiterträgt. Manchmal lande ich ganz woanders, als ich ursprünglich gedacht habe... Der Kindergarten ist eine gute Quelle für mich, um der Philosophie und Denkensweise der Kinder nahe zu sein.

 

14. Was ist Ihr Beweggrund, Geschichten zu schreiben?

Sprache ist ein Spielplatz. Der ist öffentlich. Mich freuts, wenn Kinder die Sprache als lebendiges Dingsbums erleben.

 

15. Was möchten Sie mit Ihren Geschichten bewirken respektive welche Werte möchten Sie vermitteln?

Ich will ihr Lachen. Ich will ihre Emotionen. Ich will unterhalten und ich will zum Nachdenken anregen. Ich bin aber kein Apostel.

 

16. Wie finden Sie heraus, ob eine Geschichte Kinder anspricht?

Ich erzähle sie mir selbst. Meist macht das schon viel klar. Viele Geschichten werden nie zwischen zwei Buchdeckel kommen. Wenn die Geschichten mir standhalten, halten sie meist auch meinen Kindern stand. Es gibt Ausnahmen. Aber die sind eher seltener geworden. Ich bin ein recht strenger Richter...

 

17. Testen Sie Ihre Geschichten aus, bevor Sie diese veröffentlichen?

Das ist unterschiedlich. Oft ist es so, dass ich Geschichten zuerst im Bühnenprogramm habe und sie sich da abschleifen können, bevor ich das Gefühl habe: Ja, die hat das Zeug dazu, gedruckt zu werden. (oder eben nicht...)

 

18. Welches sind Ihrer Meinung nach geeignete Bilder für eine Bilderbuchgeschichte?

Bilder sollen nicht einfach beeindrucken. Sie sollen animieren, interessieren.

 

19. Welche Kriterien müssen diese Bilder erfüllen?

Sie sollen den Text nicht abbilden sondern ihn ergänzen, weiterführen.

 

20. Welchen Stellenwert nehmen Text und Bild in Ihren Bilderbüchern ein, sind diese beiden Teile gleichberechtigt?

Wenn beim Text auch die Idee dazugerechnet wird, ist der Stellenwert gleich.

(Beim Honorar handhaben wir das anders: Text/Idee bekommt 4 % vom Ladenpreis, Bild 6 % vom Ladenpreis des Bilderbuches.)

 

21. Worauf achten Sie besonders bei der Wahl Ihrer schriftlichen Sprache?

Ich will knapp sein. Auch müde Eltern sollen auf der Bettkante ein Pauli-Buch erzählen mögen... und allenfalls durch die Knappheit des Textes zu eigener Ausschmückung angeregt werden.

 

22. Was stellt für Sie das Zentrale beim Erzählen von Geschichten und Bilderbüchern dar?

Es sollen Bilder im Kopf entstehen, ein Film, eine Welt.

 

23. Wie und wann sollen Eltern und Grosseltern Geschichten und Bilderbücher erzählen?

Bilderbücher sind nicht eine Belohnung. Sie sollen in den Alltag gehören. Ich mag es nicht, wenn mit Geschichten-Entzug gedroht wird. Bücher gehören dazu. Bei uns gehen die Kinder nie ohne Abendessen ins Bett. Und nie ohne eine Geschichte erzählt bekommen zu haben. Und: Wenn Kinder erleben, dass bei auftauchenden Fragen ein Buch gezückt wird, um der Antwort auf die Spur zu kommen, dann erfahren Kinder auch, wodurch sie sich etwas erschliessen können. Ganz selbstständig und zum Teil anarchisch und ohne Bill Gates.

 

24. Wie und wann sollen Lehrpersonen Geschichten und Bilderbücher erzählen?

Einerseits bieten sich regelmässige rituelle Anlässe an. Aber das ist nur eine Möglichkeit von vielen. Denn Geschichten sind Alltag. Es müssen auch nicht Geschichten aus Büchern sein. Selbstgebastelte Geschichten – mit Hilfe der Kinder! -

sind viel wertvoller. Logische Brüche und eigenartige Inputs, holperige Sätze und Wiederholungen sind egal. Beteiligt sein ist wichtig.

 

25. Sind Kinder irgendwann zu alt dafür?

Kinder über 120 Jahren sollten nur noch auf ärztliche Verschreibung Geschichten hören dürfen.

 

26. Welche Geschichten und Bilderbücher waren und sind für Sie selbst bedeutungsvoll?

Wo die wilden Kerle wohnen (Sendak)

Das verhexte Telefon (Kästner)

Karlsson vom Dach (Lindgren)

Der kleine Mann (Kästner)

 

27. Gibt es Ratschläge oder Tipps für mich als angehende Lehrperson im Umgang mit Kinderbüchern?

1. Wählen Sie nicht nur aus, was Ihnen gefällt. Kinder sollen ein breites Spektrum an Kunst und Kommerz und Kitsch und Ramsch geboten bekommen.

2. Gehen Sie nicht zu sehr mit der Themenbrille ans Werk: Ich hätte gern ein Bilderbuch, das zeigt, dass die Jungs besser im Sitzen pinkeln sollten...

3. Fragen Sie Kinder nach Erfahrungen.

4. Machen Sie einen grooossen Teil der Bücher uneingeschränkt greifbar. Eine Kuschelecke animiert zum Selberlesen.

5. Das eigene Feuer steckt am meisten an.

 

28. Was ist Ihre Motivation zum Schreiben?

2 x Freude: Die der Kinder. Und meine Freude an deren Freude.

Daneben finde ich es ehrlich gesagt auch eine Auszeichnung, wenn ich merke, dass das Publikum meine Texte mag.

 

29. Was sind die Voraussetzungen um als Autor tätig zu sein?

Das Gefühl, etwas zu sagen zu haben. Sprachgefühl. Lust auf Auseinandersetzung mit sich, dem Gedanken, dem Wort, dem Publikum.

 

30. Was sind Ihre Zukunftspläne?

Irgendwann schreibe ich länger am Stück an einem Projekt. Eine grössere Geschichte. Ein Vorlesebuch. Und ab und zu habe ich wieder Lust, Verse zu schmieden. Vielleicht wird daraus auch etwas.

 

31. Haben Sie noch bestimmte Ziele?

Ziele im Sinn von ‚Ich möchte einmal im Leben…‘ habe ich zurzeit nicht. Kleinere Ziele warten überall auf mich und sind es Wert, dass ich hinschaue.

 

32. Sie schreiben Berndeutsch und Standardsprache. Warum?

Bilderbücher machen mehr Sinn in Standardsprache. Und überhaupt: Standardsprache ist eine gute Sache. Manche Standards werden aber starr. Auch Standardsprache soll erstens lebendig und zweitens schweizerisch sein. Berndeutsch ist mir nahe und wichtig und ich finde es gut, wenn im Dialekt nicht nur altes,

verstaubtes Material zu finden ist, sondern auch Texte, in denen es um Elektronik, Computergames, Autos und heutige Erziehungsstile geht.

 

33. Sie sind ein bekannter Kinderbuchautor. Macht Sie der Erfolg glücklich?

Ja. Ich bin glücklich. Aber ich habe auch schon erlebt, dass der Erfolg mir zu gross wurde (Der Chly Prinz). Ich freue mich aber nicht nur über den Erfolg, sondern auch darüber, immer wieder aufzubrechen und hie und da zu scheitern.